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Die Illusion: „Vertrauen löst Macht ab“

Kontrolle vs. Vertrauen?

takasuu – gettyimages.de

„Wir brauchen eine Vertrauenskultur, denn die Machtkultur funktioniert nicht mehr!“ Ein Statement, das wir immer häufiger zu hören bekommen. Dabei klaffen in Wahrheit Realität und Wunsch so weit auseinander, dass wir dieses Idealbild – zumindest flächendeckend in den Großkonzernen – wohl nicht mehr erleben werden.

Ich möchte aber zunächst einen Schritt zurück gehen:

Gibt es denn überhaupt sowas wie eine „reine Vertrauenskultur“? Ich habe mir das genauer angeschaut und dabei einen Blick in die Vergangenheit gewagt: Wenn wir uns mal alle bisherigen Kulturen anschauen, die unsere Welt hervorgebracht hat, sogar bis hin zu den Urvölkern, wo alle eher auf Augenhöhe agierten, dann lässt sich wiederkehrend ein bestimmtes „Ober-und-Unter-Muster“ erkennen. Ein hierarchisches Gefälle ist immer vorzufinden, mag es noch so latent und geringfügig erscheinen. Darüber hinaus fehlt mir ohnehin auch die Beweisführung, dass eine reine Vertrauenskultur tatsächlich eine menschliche Idee ist.

Betrachten wir nun Unternehmen etwas genauer, dann geht es eigentlich gar nicht darum eine reine Vertrauenskultur aufzubauen. Warum? Das zeige ich Dir jetzt:

Vertrauen und Agilität versus Kontrolle?

„Wir müssen unsere Kontrollstrukturen aufgeben und zu einer agilen Organisation werden.“ Das ist wohl die größte Sau, die aktuell durch die Organisationen getrieben wird. Aber was brauchen wir wirklich? Agilität und Vertrauen oder Kontrolle? Meine Antwort: Beides.

A) Wann brauchen wir Agilität?

Agilität brauchen wir immer dann, wenn wir etwas verbessern oder erschaffen wollen. Wir arbeiten auf Augenhöhe und in einem sehr vertrauten Kreis miteinander. Diese kollektive Synergie setzt enorme (kreative) Kräfte frei, um wirklich neue Ergebnisse und Produkte (disruptiv) zu erzielen. Deshalb sind auch Scrum und Design Thinking als Methoden sehr beliebt.

B) Wann brauchen wir Kontrolle?

Wenn es dagegen um die Ausführung und Integration genau dieser Ergebnisse geht, dann brauchen wir den Kontrollmodus. Denn hier stehen Zuverlässigkeit, Qualität und Customer Experience an erster Stelle und sind somit viel höher zu werten als „kreativer Freigeist“.

Man darf einfach nicht vergessen, dass unser Exportschlager gnadenlose Qualität ist. Das zeichnet uns aus und sichert bisher auch unseren Wohlstand. Perfektion ist in Kreativprozessen allerdings der größte Ideenkiller und deshalb braucht es aus meiner Sicht beide Welten im guten Mix.


Du siehst, warum die Schwarz-Weiß-Logik nur wenig Sinn macht. Besonders Führungskräfte sind ja durch das Thema Agilität und den scheinbaren „Kontrollverlust“ vollkommen verunsichert. Sie wissen gar nicht mehr, welches Führungsverhalten noch zu welcher Situation passt. Mit der oben dargestellten Unterteilung kann aber ein großer Schritt in Richtung Rollenklarheit, Orientierung und souveränem „Führungs-Mix“ gemacht werden.

Auch zum Thema Macht vs. Vertrauen entwickeln wir aktuell ein Training. Gerne informiert Dich Kai im Februar, sobald das Lernmodul fertig ist.

Euer Dirk


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